Sprachaufenthalt mit Kleinkinder

Seit zirka zwei Jahren beschäftigte ich mich damit, mit den Kindern einen kinderfreundlichen Sprachaufenthalt zu machen. Es stellte sich schnell heraus, dass dieses Unterfangen gemäss meinen Vorstellungen nicht so ganz einfach ist.

Weshalb überhaupt einen Sprachaufenthalt?

Uns liegt es am Herzen, dass unsere Kinder Sprachen so natürlich wie möglich lernen. Eigentlich würden wir Ihnen den Zeitpunkt des Sprachen lernen auch sehr gerne offen lassen, nur leider haben sie an unserem Wohnort die Pflicht im Verlaufe der Pflichtschuljahren Französisch und Englisch zu lernen. Französisch bereits ab der 3. Klasse. Uns widerstrebt es sehr mit den Kindern Vokabeln zu büffeln, weil wir selbst die Erfahrung gemacht haben, dass uns solches Sprachen lernen  nicht viel gebracht hat. Gleichzeitig sehen wir aber auch der Sinn im Sprachen lernen und möchten unseren Kindern auch von uns her ermöglichen, die wichtigsten Weltsprachen kennenzulernen.

 

Wo bietet sich die Möglichkeit zu einem kinderfreundlichen Sprachaufenthalt?

Dieser Frage ging ich lange nach.

  • Als erstes beschäftigte ich mich mit dem Thema reisen. Ich reise sehr gerne und erkunde auch sehr gerne mir noch unbekannte Orte. Mit Kleinkindern schien mir das jedoch nicht passend. Für mich ist es wenig kinderfreundlich, ständig herumzuziehen. Ich bin der Ansicht, dass Kleinkinder eher Wurzeln brauchen als Flügel. Die Wurzeln finden sie in einer vertrauten Umgebung. Ständige Anpassung ist zwar auch bei Kleinkindern möglich, jedoch häufig mit Unruhe, Stress, Angst, Trauer und ähnlichem verbunden. Deshalb war bald klar, dass wir grössere Reisen auf später verschieben, wenn die Kinder älter sind.
  • Als zweites suchte ich über Freunde, Bekannte, Netzwerke und Inserate nach Familien in England, Frankreich und der Westschweiz, welche uns 2-3 Wochen an ihrem Familienleben teilnehmen lassen würden. Zuerst mit Zimmer bei den Familien, dann mit Zelten bei den Familien im Garten, dann mit Ferienwohnung oder Zimmer in der Nähe. Ein einziges Angebot kam zustande, welches dann aber eine Woche vor dem Abenteuer abgesagt wurde.
  • Als  drittes suchte ich nach Gemeinschaften die uns aufnehmen könnten, Gemeinschaften mit Kindern, wenn möglich Freilernergemeinschaften. In den gewünschten Sprachgebieten liess sich leider nichts finden.
  • Weiter suchte ich nach öffentlichen Angeboten mit Kindern in den genannten Sprachregionen. Auch hier wurde ich nicht fündig, da mich vor allem die Zwischensaison interessierte.
  • Als nächstes fing ich an, Campingplätze zu suchen, welche Kinderfreundlich sind und gleichzeitig nicht voll von Schweizern oder Deutschen, sondern von „Einheimischen“ sind. Dieser Punkt liess mich lange nicht locker und schliesslich haben wir diese Variante verwirklicht.

 

Unsere Wahl des Sprachaufenthaltes

Im Unschooler Sommerlager 2017 haben wir eine zweisprachige Familie aus der Westschweiz kennengelernt. Diese hatte leider keinen Platz um uns aufzunehmen und konnte für uns auch keine Familie finden, die an einem solchen Austausch interessiert war. Schon fast hatte ich diesen Faden aufgegeben, als mir die Idee kam zu fragen ob wir bei dem Freilernerzentrum mitmachen könnten, von dem ich wusste, dass sie dort regelmässig teilnahmen. Im Unschooler Winterlager haben wir dann diese Idee ausführlich diskutiert und kamen zum Schluss, dass dies für alle beteiligten eine Bereicherung sein könnte. Schliesslich bekamen wir einige Wochen später die Zusage von der Leiterin des Freilernerzentrums. Im April konnten wir einen Tag in diesem Zentrum schnuppern. Uns hat es ziemlich gut gefallen, so gut, dass wir ein paar Tage später die definitive Zusage für die Teilnahme gaben. Nur leider gefiel uns der Campingplatz in diesem Dorf nicht. Die Suche nach einer lowbudget Unterkunft zog sich also weiter und liess das Projekt beinahe scheitern, da ich vom Gefühl her absolut nicht auf diesen Campingplatz wollte. Eines Tages fand ich dann knappe 10 km entfernt den TCS Campingplatz in Orbe. Auf diesem Campingplatz haben wir nun den ganzen Juni 2018 verbracht und fühlten uns sehr wohl.

Wie sah unser Sprachaufenthalt konkret aus?

An einem strahlenden Juniwochenende bauten wir unser Zelt in Orbe auf und richteten uns ziemlich komfortabel auf dem Campingplatz ein. Wir wurden freundlich empfangen und alles passte von Anfang an sehr gut. Am Wochenende hatte es auch noch Kinder auf dem Platz und alles schien perfekt zu starten. Am kommenden Tag radelte ich mit Elektrofahrrad und den beiden Kindern im Fahrradanhänger knappe 10 km zum Freilernerzentrum. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass niemand anwesend war, ausser der Leiterin. Nach einem kurzen Gespräch erfuhren wir, dass am Montag in der Regel fast niemand dort sei und die kleinen Kinder sowieso erst am Nachmittag  so richtig willkommen seien, da am Morgen vor allem leise gelernt werde. Etwas enttäuscht machten wir uns nach einer knappen Stunde wieder auf den Rückweg. Die Kinder hatten kurze Zeit gespielt aber niemand von uns wusste recht, was wir jetzt machen sollten. Also beschlossen wir, ab sofort nur noch am Nachmittag hinzugehen.

Im Verlaufe des Monats hatte ich ein paar nette Gespräche in diesem Freilernerztrum. Unser Grosser konnte sich von Anfang an gut integrieren und spielte oft mit. Es hatte jedoch meistens nicht so viele Leute dort und sowohl unser Grosser wie auch ich sahen nicht viel Sinn darin, dort hinzugehen. Die Kinder freuten sich vor allem auf die Jungen Katzen und ich hoffte immer auf ein gutes Gespräch mit den durchwegs freundlichen Leuten dort.

Es hat sich für mich wieder bestätigt, dass solche Freilernerzentren mir nicht entsprechen, auch wenn es noch so nette Leute dort hat und die Räumlichkeiten grosszügig sind. Der Ort wurde offensichtlich liebevoll ausgebaut und hergerichtet. Eine grosse Fabrikhalle wurde in verschiedene Räumlichkeiten eingeteilt. In der grossen Halle stehen verschiedene Chalets zu unterschiedlichen Themen. (Musik, Kleinkinderspielzeug, Ruhe-Chalet etc.) Weiter gibt es eine Küche, eine Werkstatt, viele Sitz-. Lese- und Ruhe-Nischen. Einige Tische, einige Bücher und Spiele etc. Zudem können sich die Kinder im grosszügigen Chalet-raum auch austoben oder Tischtennisspielen.

Von den Teilnehmenden Familien werden diverse Workshops angeboten oder auch Leute organisiert, die einen Workshop geben. So wie es schien, kommen die meisten Kinder vor allem für die Workshops. Von den 25-30 Familien die dort anscheinend teilnehmen, haben wir nur wenige kennengelernt. (Der Lernort hat so viele Interessenten, dass sie sogar eine Warteliste führen müssen). Aus meiner Sicht war es ein stetiges Kommen und Gehen. Plötzlich gab es Momente, da waren für eine Stunde ganz viele Menschen vor Ort und kurz drauf wieder nur noch wenige. Diese Unruhe empfand ich als unangenehm. Auch Kinder, die längere Zeit dort waren, waren eigentlich stets in Bewegung und gingen immer wieder durch die Räumlichkeiten hin und her. Ich sah selten ein Kind oder eine Gruppe von Kindern, die sich längere Zeit mit etwas beschäftigten. Dies befremdete mich ein wenig. Zumal knapp die Hälfte der Kinder 10 Jährig und älter waren. Ich vermisste Momente, bei denen ich Kinder sehen konnte, die mit grosser Neugierde ein Projekt aus intrinsischer Motivation verwirklichten.

Die Plattform für die Eltern hingegen, wurde rege genutzt. Die Eltern tauschten sich aus und führten interessante Gespräche. Ich denke deshalb weiterhin, dass solche Treffpunkte vor allem für Eltern Interessant und hilfreich sind und weniger für die Kinder.

 

Für uns alle war der Part auf dem Campingplatz viel bereichernder. Die Leute mittleren und älteren Alters gaben sich sehr Mühe mit uns in Kontakt zu kommen. Wir führten viele nette Kurzgespräche. Oft waren wir im Dorf unterwegs. Wir nutzten unser französisch vor allem beim Einkaufen und beim ÖV-Fahren. Die Kinder fragten immer häufiger was dieses und jenes heisse. Im Freibad begegneten sie französisch sprechenden Kindern. Der Campingplatz war bis auf ein paar Nachmittagsbesucher unter der Woche kinderlos, dafür gab es am Wochenende durchwegs mal ein Haufen Kinder auf dem Platz.

Orbe bietet viele schöne öffentliche Spielplätze, auch da kamen wir mit Leuten in Kontakt. Zudem besuchte uns die Familie, welche uns das Freilernerzentrum vermittelt hatte zwei Mal während mehreren Tagen auf dem Campingplatz. Diese zweisprachigen Kinder sprachen öfters auch französisch, weil französisch ihre gewohntere Sprache ist.

Schon bald konnte ich mich daran erfreuen, dass unser Grosser seine Freibadeintritte selbständig bei der Campinplatzreception organisierte oder er französisch sprechenden Kindern einfache Sätze beantwortete. Der Kleine sagte den ganzen Tag allen strahlend Bonjour 🙂

Fazit:

Wir werden nächstes Jahr wieder einen Sprachaufenthalt machen. Wieder auf einem Campingplatz. Vermutlich wieder einen Monat lang. Wieder in der Nebensaison, weil in der Nebensaison die Wahrscheinlichkeit grösser ist, dass sich vor allem französisch sprechende Leute auf dem Campingplatz befinden und natürlich auch weil der Aufenthalt so einiges günstiger ist. Wir werden einen anderen Campingplatz wählen, damit wir eine andere Region kennenlernen können. Wir werden nicht mehr bei einem Freilernerzentrum mitmachen, sonder noch mehr versuchen, mit den Leuten vor Ort in Kontakt zu kommen. Mir strebt vor, nächstes Jahr einige Wanderungen und vielleicht noch ein paar gezielte kulturelle Ausflüge zu machen.

Uns hat das Ganze viel Freude bereitet. Insbesondere freuten wir uns auch über den regen Besuch aus der Deutschschweiz. Der Monat ging gefühlt sehr schnell vorbei. Alle hatten aber kurz vor dem Ende das Gefühl, dass einen Monat genug ist. Drei Wochen wären vielleicht in unserer Konstelation sogar idealer gewesen. Wir waren in dieser Zeit einmal zwei Nächte zuhause und der Papa kam uns zwei Mal besuchen. Mein Mann half uns zudem beim Auf- und Abbau des Camps. Ein solcher Aufenthalt ist leider für uns als ganze Familie zurzeit nicht möglich und trotzdem möchte ich nicht darauf verzichten.

Wir freuen uns bereits auf unser nächstes Französisch-Abenteuer. Der Platz für das nächstes Jahr steht schon zu 90 Prozent fest. Die Zeit bis dahin werde ich mit Rosetta Stone überbrücken. Mich hat der Ehrgeiz gepackt 🙂